Ankunft in Vietnam
Eine Stunde Verspätung, und der Flieger rührt sich noch immer nicht. Wir sitzen da, bequem, fast schon geniessend, während sich mein zappeliger Nachbar zunehmend vor Ungeduld im Sitz windet.
In dieser multikulturellen, mehrheitlich indischen Gesellschaft fühle ich mich wohl und schon beinahe angekommen. Die Verzögerung wirkt wie eine erste, leise Einführung in die Entschleunigung des Lebens. Und nach sieben Stunden Flug kommt er dann, trotz allem, doch pünktlich an.
Wir sind im Zwischenstopp in Delhi. Die Stadt ist grau. Wohl der Smog, der drückt. Während Corona konnte man von hier aus die Himalayaberge sehen. Wie wunderbar wäre es, wenn sich dieser Smog eines Tages für immer lüften würde, was ja möglich wäre durch das neue Zeitalter der Elektromotoren.
Natürlich essen wir indisch während des Zwischenhaltes. Sogar hier am Flughafen schmeckt es würzig, scharf, mit dem kühlenden Joghurt als geschmacklichen Kontrast, gegessen mit Brot wie Naan, Roti oder was es sonst noch gibt.
Im zweiten Flug sind wir dann nur noch unter Indern und Vietnamesen. Die Beinlänge ist kurz, die Knie drücken in den vorderen Sitz, es fühlt sich an wie auf einem Inlandflug, der jedoch fünf Stunden dauert. Danach stehen wir eine gute Stunde in der Schlange der Migrationskontrolle. Auch dies ist wohl ein Prozess, der sich in Zukunft beschleunigen wird, da Daten von Hand einzutippen wohl zunehmend veraltet ist.
Der Flughafen von Ho-Chi-Minh-Stadt liegt nahe der Stadt. Nach einer kurzen Autofahrt stehen wir vor dem bereits von zu Hause aus gebuchten Hotel. Froh darüber, nicht noch suchen zu müssen, obwohl dies – wie wohl schon oft von mir erwähnt – stets eine der besten Einführungen in einen Ort ist. Man sieht so Einiges, wenn man von Unterkunft zu Unterkunft läuft, merkt sich Wege, um den Favoriten später wiederzufinden, läuft an Restaurants und Geschäften vorbei, an Strassenecken, Parks und Vorplätzen, und spricht bereits mit vielen Menschen, um Unterkünfte zu besichtigen.
Doch nach diesem ermüdenden Flug und bei bereits 21.30 Uhr lege ich meinen müden Körper lieber einfach in das Bett des liebevoll von einer Familie geführten Hotels am Rand von Ho-Chi-Minh-Stadt.
Saigon wurde 1976 nach dem Ende des Vietnamkriegs offiziell in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt, zu Ehren des revolutionären Führers Ho Chi Minh (der einem hier nicht nur in Namen und Statuen begegnet, sondern auch auf den Banknoten), doch im Alltag nennen viele die Stadt bis heute weiterhin Saigon. Und 100.000 Vietnamesische Dong fühlen sich nach viel an und sind doch kaum mehr als drei Franken. Ein reichhaltiges Essen oder vier Dosen lokales Bier erhält man hier in der Stadt dafür. Bei der lokalen Brauerei Pasteur Street kriegt man zwar „nur“ ein Bier zu diesem Preis, doch es ist es allemal wert. Von Jasmin- oder Grapefruit-IPA, gewöhnlichem Lager bis zu Hefeweizen findet man alles.
Die Luft ist feuchtwarm, genau nach meinem Geschmack. Meine Haare sind bereits nach einem Tag wieder fluffig weich und durchdrungen von der befeuchtenden Lebenskraft des Wassers. Meine Haut fühlt sich geschmeidig an, mein Körper belebt, und auch die Seele scheint wieder jünger. Was ein Klima mit einem macht!
Den ganzen Tag durchkreuzen wir die von Pflanzen erfüllte Stadt, mit ein paar Pausen hier und da. Die Stadt ist voller Menschen, überall geschieht etwas. Und wieder spüre ich: Man kommt nicht einfach an, sondern man tritt über eine Schwelle und steht auf einmal in einem anderen Raum. Farben, Formen, Geräusche, Bewegung, Gerüche haben sich verändert. Die fünf Sinne werden alle auf einmal gefordert, manchmal sogar neu erfunden.
Strassen zu überqueren gleicht einem Nintendo-Spiel, bei dem man versucht, nicht mit den sich bewegenden Hindernissen zu kollidieren. Nur hat man hier keine extra Leben. Und trotz dieser vielen Menschen fühle ich mich gesehen, tausche ein Nicken, Freude in Form eines Lächelns, manchmal eines Grinsens. Reibungslos, wie im Fluss voller Wassertropfen, bewegt sich die Masse und jeder Einzelne in ihr aneinander vorbei.
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Vietnamesisches Essen
Nudelsuppe mit gewünschten Zutaten: Phó
Reissuppe mit gewünschten Zutaten: Cháo
Alles, wenn man will, mit Chilis bzw. Chilisaucen
Bánh mì: gefüllte Baguettes
Unser Miniwortschatz nach einem Tag
Hallo: xin chào (sin chao)
Danke: cảm ơn (cam ön)
Nicht / ohne: không
Vegetarisch: chay
Gemüse: Rau
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Ein Kommentar
Maja Hasenfratz
Weiterso auf nimmerwo😉immer spannend euch wenigstens so zu begleiten! Danke Seraina🩷lgmam