Australien

Downunder Diary III: East Coast

Januar – Februar 2023

Nach stundenlangem Fahren stoppen wir im grössten Gratis-Camp, den wir je besucht haben. Heisse Duschen und Barbecue-Unterstände inklusive. Der Campingplatz liegt am See und mit dem AKW am entfernten Ufer fühlen wir uns direkt heimisch.
Der Himmel ist schwarz. Es blitzt, donnert und regnet. Wir sind nun den Blue Mountains sehr nahe und das macht sich bemerkbar. Die Berge ziehen die Wolken regelrecht an.

Am nächsten Tag fahren wir rein ins Waldparadies. Die Blue Mountains verdanken ihren Namen dem blauen Dunst, der entsteht, wenn sich aus den Eukalyptusblättern verdunstete Öltröpfchen mit Staubpartikeln und Wasserdampf vermischen. 

In dieser Region entdeckte David Noble 1994 eine Pflanzenart, die seit über 40 Millionen Jahren als ausgestorben galt. Die Wollemie-Kiefer kannte man bisher nur aus fossilen Funden. Dem heutigen Parkranger zu Ehren ernannte man die Kiefer Wollemia nobilis. Der wilde Standort wird weiterhin geheim gehalten, um den einzigen Vertreter dieser Art vor niedertrampelnden Füssen, Bakterien und anderen Krankheiten zu schützen. Doch die Wollemien werden erforscht und vermehrt. So bekommen wir im Botanischen Garten der Blue Mountains mehrere Exemplare zu Gesicht. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wollemie)

Wie wir sind, schrecken uns grosse Menschenansammlungen ab. Bei den Three Sisters springt Simon schnell aus dem Auto, um ein Foto zu schiessen, während ich das Auto vor der Polizei bewache. Die 8 Dollar für das kurze Parken sind frech.

Doch wir kommen nicht zu kurz und finden schöne einsame Wege durch den Wald mit Aussichtspunkten.

Im Gratis-Camp werden wir von zwei in Australien lebenden Türken zum traditionell gebrauten Tee eingeladen. Hüsnü, der hier George heisst, ist voller Weisheiten und die eine will ich gerne teilen. Da er halb in der Türkei, halb in Australien lebt, fragte ihn sein Sohn: «Was hast du lieber: Die Türkei oder Australien?» Hüsnü antwortete: «Wen hast du lieber: Deine Mutter oder mich?»

Botanischer Garten in den Blue Mountains

Cooper Pedy im Südwesten Australiens haben wir verpasst. Nicht ohne Schuld war ein überhitzter Holden Viva. Lightning Ridge ist der Ort im Osten, um sich im Glanz der Opals zu verlieren. In Geelong erzählte uns Thea ihre einzigartige Geschichte von Lightning Ridge und den Opals. Das lässt uns den Umweg ins innere Australiens gerne in Kauf nehmen. Auf dem Weg liegt zudem der Zoo von Dubbo.
Die Nacht verbringen wir in einem paradiesischen Gratis-Camp am Fluss und von weissen Kakadus umkreist. Ja, die prächtigen Vögel sind kaum aushaltbar, wenn sie über dem Zelt im Ast sitzen und sich die Gurgel aus dem Leib krächzen. Wenn das Singen der Abglanz der Seele ist, wie zur Welt muss man sich dann die Seele des Kakadus vorstellen? Doch umso schrecklicher der Gesang, desto schöner ihr Äusseres. An einem plätschernden Fluss umgeben von üppigem Grün, wo Kakadus sich tummeln und ganze Schwärme von der untergehenden Sonne beleuchtet durch das Tal fliegen, dort ist man für einen kürzeren oder längeren Moment fasziniert ab der Schönheit der Natur.

In meinem Leben besuchte ich selten Zoos. Ich meide sie. Tiere einzusperren, damit Menschen sie den ganzen Tag anstarren, finde ich nicht in Ordnung. Wieso besuchen wir jetzt den Zoo? Gute Frage. Uns wurde der Zoo zweimal empfohlen. Auf der Webseite klärt er auf über bedrohte Tierarten, die sie schützen und dass die Einnahmen hierzu dienen. Tatsächlich sind einige Tiere nicht sichtbar. Der Zoo hat eine Fläche von 3km², um grossen Säugetieren mehr Platz zu bieten. Ob man hingehen soll oder nicht, entscheidet jeder für sich selbst.

Neugierig fahren wir in Lightning Ridge ein. Wahre Schatzsuchorte – wo Spekulierende ihre Länder mit Maschinen oder von Hand umgraben, in der Hoffnung den Reichtum zu finden – können nur eigenartig sein.

Es ist nicht viel los in Lightning Ridge. Auf dem ersten Camp stellen wir unser Gehäus auf und machen gleich Bekanntschaft mit dem Host – einem Opalsucher. Zum Frühstück am nächsten Morgen hält er uns einen Teller voll kleiner Steine vor die Nase. «Opals. Ich habe kübelweise davon. Vielleicht findet ihr ein schönes Stück.» Wir waschen sie und sind ergriffen von den in grün, blau und rot funkelnden Steinchen. Es ist eine Sucht. Er scheint unsere Begeisterung bemerkt zu haben. Mehrere Male zeigt er uns im Vorbeigehen ein noch prächtigeres Exemplar. Zum guten Schluss lässt er uns einen 10000 Dollar teuren blauen Opal bestaunen. Man verliert sich in der unglaublichen Tiefe des Blaus und es fällt schwer, sich loszureissen. Wie Gollum mit dem Ring oder ein Taucher im lichtdurchfluteten Meer.

Wir waschen einen Teller voll Opals
Dieser Boulder-Opal stammt aus dem Norden Queenslands.
Schwarzer Opal aus Lightning Ridge im Wert von gut 10000 Dollar

Unser nächstes Ziel ist Lennox Head. Mehrere Wochen verbrachte Simon auf seiner ersten Reise in diesem kleinen Ort, der kaum Shops, Bars und Restaurants, jedoch viele Surfer beherbergt. Ein See mit dunkelroter Farbe lädt zum Baden ein und die Umgebung mit den sattgrünen üppigen Hügeln ist magisch. Wir verbringen zwei Tage mit unserem Freund Nat, der sich in der Region um Byron Bay aufhält, bevor wir weiter in den Norden fahren.

Quesadilla-Zmorge auf der Barbecue-Platte

Doch vorher pausieren wir für zwei Nächte in der Hippie-Hochburg Nimbin.

Eine Strasse, bunte Läden, plaudernde junge Menschen, Kaffee, Joints, ein Gitarrenspieler singend, die letzten Marktstände werden aufgeräumt, ein frei um sich tanzendes Pärchen – wir sind in Nimbin. Der Campingplatz auf dem Showground ist gross, angenehm und nahe am Zentrum. Wir stellen brav unser Zelt auf, geben 220 Luftstösse mit der 7-Liter-Handpumpe in die Matratze – sie hält uns täglich fit – und marschieren auf ein Bier ins Dorfpub.

Camping-Platz auf dem Showground

«Schau, wie schwarz der Himmel da hinten ist!», staunt Simon. Mehrere Leute bewundern den schwarzen Streifen, der in starkem Kontrast zum leuchtenden Horizont steht.
Seit wenigen Jahren florieren die kleinen Brauereien mit den unterschiedlichsten Bierarten. Und somit gibt es in den meisten Bars gute Pale Ales zu trinken. Auf der Terrasse platzieren wir uns an der Aussenfront. Ein betrunkener Australier spricht hinter mir lauthals mit seinen Kollegen, dass es in meinen Ohren schmerzt. Ich wende meinen Kopf ab und blicke über das Geländer. Der Wind raschelt an den Palmen. Eine schöne Goldtönung verzaubert die Welt. Der Wind wird stärker. Und noch stärker. Eine Frau neben mir beugt sich weit über das Geländer, fasziniert von der Naturgewalt, ihre Haare zerzaust, lachend. Die Palmen biegen sich. Erste Tropfen sind spürbar. Und plötzlich fällt uns der ganze Himmel auf den Kopf. Es regnet in Strömen. Die Palmen biegen sich zum Brechen nahe. Es blitzt und donnert. Etwas kracht aufs Dach der Terrasse. Alle rennen ins Innere der Bar.
Aus der Sicherheit beobachten wir den Sturm. Es hagelt in der Grösse von Haselnüssen. Als sich der erste Schock legt, sind zwei Inder wagemutig und fotografieren einander im Hagel posierend. Der Strom ist ausgefallen, die Bar somit auch. Die meisten Besucher stehen wie ich am Fenster und betrachten das Schauspiel. Und so schnell der Sturm kam, so schnell hört er auf. Was zurückbleibt, ist ein doppelter Regenbogen in einer neu geborenen Welt.

Die Strasse ist ein Fluss, das ganze Dorf ohne Strom. Beim Camping angekommen, sehen wir zerbrochene Zelte. Bangend machen wir uns auf den Weg zu unserem Billig-Zelt. Unglaublich, es steht noch! Wir öffnen den Reissverschluss und ein Schwall Wasser kommt uns entgegen. Die Matratze schwimmt auf dem See im Zelt. Zum Glück waren wir schlau genug, den Schlafsack im Auto zu lassen. Wir trocknen die Matratze und hoffen auf eine regenfreie Nacht.

Easily made adventure

Leider wird unsere Zeit knapp. In zwei Wochen fliegen wir von Cairns nach Bali und haben noch über 2000 km vor uns. Für Australia Day am 26. Januar finden wir mit Glück einen Platz auf einem der überfüllten Campingplätze nahe beim Lamington Nationalpark und wandern noch vor dem nächsten Regenguss durch seinen üppigen Wald.

Nach diesem festiven Wochenende sind wir wieder alleine am Campen, diesmal im Bauernland und unter Kühen. Bedauerlicherweise wimmelt es von Sandfliegen. Wir beschliessen weiterzuziehen.
Nach tagelangem Fahren und einem von beissenden Stichen gepeinigten Körper legen wir bei Mackay und Home Hill weitere Stopps ein.

Wir sind angekommen im tropischen Australien, mitten in der Regenzeit. Unser Zelt ist begrenzt wasserdicht. Somit suchen wir uns ein Zimmer. In Mission Beach finden wir ein schönes Bed & Breakfast mit gepflegt überwachsenem Garten und Pool.

Es wäre ein Ort, um länger zu verweilen, doch wir müssen weiter.
Auf der Flusstour in Daintree sehen wir ein Baby-Krokodil, Grasfrösche und frisch geschlüpfte Vogel-Kücken des Black Bittern (Schwarzdommel).

Facts about the Salties – Salzwasserkrokodile:

  • Bis 7h bleibt es unter Wasser, ohne zu atmen. An der Oberfläche ist es absolut nicht sichtbar, da es sich weder bewegt noch Blasen aufstösst. (Man hält mind. 5m Abstand vom Ufer.)
  • Es kann bis zu einem Jahr ohne Nahrung auskommen, da es durch ruhiges Verhalten Energie speichert. Auf dem Baum ausharren, bis es weg ist, ist keine Option.
  • Sie wurden beinahe ausgerottet, stehen seither unter Schutz und werden nicht gefüttert, um sie vom Menschen distanziert zu halten.
  • Sie verlieren stetig Zähne, die in jungen Jahren nachwachsen, im Alter jedoch nicht mehr. Ihre Opfer werden dann für den Verzehr im Wasser aufgeweicht.
  • Sie wachsen ein Leben lang (max. 70 Jahre) und Männchen bis 5,2 Meter in Körperlänge.
Das Baby-Krokodil ist erst mit 1,5m Körperlänge sicher vor Seinesgleichen.

Bevor wir nach Cairns gehen, besuchen wir Jol und seine Familie. Simon hat ihn vor 18 Jahren hier in Nordaustralien kennengelernt und seither bei jeder Australien-Reise besucht. Jol lebt mit seiner Freundin, den Kids und der Grossmutter erst seit kurzem in Ravenshoe. Auch sein Tattoostudio befindet sich hier, er ist bis auf Weiteres ausgebucht. Doch wir werden beschenkt mit einer extra für uns entworfenen Zeichnung, die er uns durch seine primär erlernte Technik, dem Hand-Poking, auf den Solarplexus pikst.

Nach zwei Nächten verlassen wir schweren Herzens die wunderschöne Familie und ziehen in das Cabin auf dem Campingplatz bei Cairns ein. Wir sind bereit für Bali und freuen uns riesig darauf. Als krönenden Abschluss leisten wir uns ein griechisches Essen in Cairns.

Und zum Schluss noch ein paar letzte Impressionen 🙂

Wenn ich reise, gehe ich rein in die Welt, wo viele Geschichten geschehen, wo in jedem Moment alles passieren kann (oder auch lange nichts), und meine Neugierde, Inspiration sowie meine Nerven aufs feinste gekitzelt werden.

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