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Leben in Albanien - Nimmerwo ist es besser!
Albanien,  Balkan

Leben in Albanien

Leben in Albanien – die Worte beschwingen uns. Einmal mehr haben wir ein zweites (eines von ja schon so vielen) Zuhause gefunden. Vom Camping in Gjirokastër tuckern wir – nicht bevor wir uns beim Bäck nochmal mit gutem Brot und lokalen Leckerlis eingedeckt haben – Richtung Përmët, ein Tal östlich vom Drinotal in dem sich Gjirokastër befindet.

Albturist Eco-Camping

Die Kleinstadt Përmët sagt uns nichts. Sie ist nicht der Grund, warum wir in diese Gegend wollen. Ich habe dank dem Internet einen Campingplatz entdeckt, der interessant klingt. Auf park4night steht geschrieben:
„Einfacher Campingplatz mit einfachen Sanitäranlagen. Tolle Lage zwischen Weingärten etwas ausserhalb von Përmët. Minirestaurant mit liebevoll zubereitetem Essen durch die Besitzerin Dona. Ihr Mann Roberti bietet auch Raftingtouren an.“
Die schönen Kommentare und fast ausschliesslich 5-Sternebewertungen und dazu die passenden Bilder dazu machen uns neugierig.
Als wir ankommen, werden wir sogleich von Dona begrüsst. Natürlich können wir bleiben, es tue ihr aber leid, ihre Einrichtungen seien nur „basic“, und es sei ja schliesslich Wintersaison und da sie keinen Strom haben, wärme die Solardusche nur knapp auf, entschuldigt sie sich.
Wir wissen sofort, dass es uns hier gefallen wird. Die Tiere, wegen denen Donas Zeltplatz in den Kommentaren der Camping-App nicht immer positiv abschneidet, tragen zum gemütlichen Bauernhof-Feeling bei. Katzen, Hunde, ein Pferd und des Nachbars Schafe und Ziegen, die in ganz Albanien zum Bild dazugehören, beleben den Ort.
Auf der anderen Seite, der wenig befahrenen Landstrasse, sucht sich der Vjosë einen Weg durch das Tal, einer der letzten Wildflüsse Europas. Roberti erzählt mir, dass er und der Vjosë zusammengehören. In Përmët aufgewachsen kennen sie sich schon sein ganzes Leben lang. Er bietet seit einigen Jahren Outdoor-Aktivitäten wie River-Rafting an, um seine Liebe zum Vjosë mit Besuchern des Tals zu teilen. Aber auch die Berge haben es ihm angetan. So leitet er Canyoning-Tours und auf Wunsch Wanderungen durchs umliegende Bergland. Jedes Jahr erklimmt er mit dem albanischen Alpinverein einen anderen Gipfel in seinem Land.
Ich schaue hoch auf die momentan verschneiten Grate der Berge um mich. Ja, das klingt nach einem Plan. Morgen ist noch gutes Wetter gemeldet, das sollten wir ausnutzen. Wir müssen es ja nicht gleich auf die Spitze treiben. Der Schnee interessiert mich im Moment nicht, dafür umso mehr die Bergdörfer und die Aussicht von da oben.

Die Thermalquellen

Aber auch den heutigen Tag wollen wird nicht tatenlos verstreichen lassen. Bald nach unserer Ankunft auf dem Camping, schnappen wir uns die Velos und fahren zu den heissen Quellen, für die Përmët bekannt ist. Ehe es um 5 Uhr wieder dunkel wird.
Es ist warm, ein leichter Wind geht. Die Sonne scheint und das Vjosëtal ist herrlich. Felsige Hügel, Höhlen, grüne Föhrenwälder, dahinter die Schneeberge. Fantastisch! Ein wenig wie in Kanada oder in den USA.
Als wir an den Quellen ankommen, sind diese mit ein paar Locals, wahrscheinlich aus Përmët, besetzt. Über eine malerische osmanische Brücke gelangen wir zum Pool. Obwohl die heissen Quellen nur lauwarm sind, gesellt sich Seraina zu den anderen Badenden. Da schaue ich doch lieber nur zu und mache ein paar Fotos von der schönen Gegend.
Leider fallen auch hier wieder die liegengebliebenen Abfälle der Besucher auf. Zwar stehen grosse Eimer bereit, aber wenn sie niemand leert und die streunenden Hunde auch noch ihr Bestes geben, dann sieht das Resultat eben nicht schön aus.

Wandern in Përmët

Am nächsten Tag wandern wir wie geplant früh los. Zuerst müssen wir zur Brücke einen Kilometer stromaufwärts. Dona hat uns gebeten, die Hängebrücke auf der Höhe des Zeltplatzes nicht zu gebrauchen. Später sehen wir, wieso. Viel mehr als ein paar Drahtseile mit löchrigen Brettern bestückt ist von dieser Brücke nicht übrig. Irgendwann wird sie sich in ihre Bestandteile auflösen, und der Fluss kümmert sich um den Rest.

Wir also über die alte, noch vertrauenswürdige Stahlbrücke und hoch ins Dorf Leshnicë. Am Fuss des Dorfes befindet sich eine alte Kirche mit Friedhof, dahinter ein paar Häuser am Hang. Wir sehen ein älteres Paar im Garten arbeiten. Sogleich spricht uns die Frau an. Mit unserem ganzen Albanisch-Arsenal geben wir zurück. Ich deute unser Gespräch wie folgt:
„Ah, Touristen. Woher seid ihr?“
„Wir sind aus Zvicra.“
„Es kommen immer mehr Touristen in diese Gegend. Wohin wollt ihr? Seit ihr zum Dorf Leusë unterwegs?“
„Ja, sind wir. Geht es dort lang?“
„Genau, alles den Weg hoch. Ihr werdet es schon finden. Sonst könnt ihr ja fragen.“
„Vielen Dank, auf Wiedersehen.“
„Wiedersehen, und viel Vergnügen!“
Naja, da blöffe ich ein wenig. Aber den Kontext haben wir so ungefähr verstanden. Oder zumindest erahnt.
Wir kommen oben auf einer grünen Kuppe heraus, wo Pferde und Schafe grasen. In der Ferne arbeiten ein paar Männer an einem Unterstand. Von weitem rufen sie und grüssen. Und blicken stirnrunzelnd herüber. Was das wohl für Gestalten sind? Um etwas zu sagen, entgegne ich ihnen „Leusë?“ und zeige fragend in Richtung einer Geröllstrasse. Sie scheinen zu verstehen, nicken und weisen in dieselbe Richtung. „Ok, faleminderit!“
Welche eine Aussicht ins Tal.
Wir wandern einen steinigen, grünen Weg entlang, bis er an einem einfachen Drahttor endet.
„Sollen wir einfach weitergehen?“, frage ich Seraina, „dadrüben steht ein Hof.“ „Ich weiss nicht, gehen wir besser aussenrum.“
Gute Entscheidung. Denn die Hunde haben uns bereits gerochen und kommen bellend heran. Wir entfernen uns ein wenig und gehen mit etwas Distanz den Zaun entlang. Kaum haben sich die Hunde beruhigt, kommen die Ferkel angerannt. Und dann sieht uns die Bäuerin und wettert uns die Hände verwerfend an.

Als ich schon denke, dass sie uns zum Teufel schicken will, kommt sie uns entgegen und begleitet uns satte zehn Minuten durch den Busch, damit wir unseren Weg wiederfinden. Ok, da hab ich wohl ihre etwas herbe Art missverstanden. Währenddessen spricht sie unentwegt auf uns ein. Ich glaube, zwischendurch so etwas wie zu verstehen, wie: „Ja, warum sprecht ihr nicht besser albanisch, dann könnte man sich anständig unterhalten!“

Von hier führt der Pfad bergab. Sogar weiss-rot-weisse Wandermarkierungen sind auf dieser Seite auszumachen. In Leusë, einem einfachen, aus Stein erbauten Dorf, deutet sich eine touristische Entwicklung an.

Es wird an einem grossen Gebäude gebaut, einer Herberge oder Restaurant, und eingangs Dorf befindet sich die malerische Kirche von der Santa Maria, vor der ein grosses Informationsschild auf ihren architektonischen Baustil hinweist.

Irgendwo verpassen wir den Pfad ins nächste Bergdorf, Lipë, und so stehen wir wenig später in Përmët unten am Fluss. Von dort sind es nur noch drei Kilometer entlang der Strasse und übers Feld vorbei an Schäfern und ihren Herden zurück ins Camp.

Leben in Albanien

Einen Tag später machen wir uns an die Arbeit und installieren endlich das Solarpanel, das wir seit Wochen ungenutzt mit uns mittragen. Die folgenden Tage vergehen gemächlich. Daran ist auch das Wetter schuld. Es ist winterlich kalt, bewölkt und regnerisch.
Die meisten Abende verbringen wir mit Dona und Roberti in ihrem kleinen Aufenthaltsraum/Bar/Restaurant/Rezeption. Dort steht ihre einzige Heizquelle, ein alter Kachelofen.

Hier trinken wir Raki und albanischen Bergtee, hier reden wir über das Leben in Albanien, ihre Pläne für die Zukunft, dass alles in Albanien etwas länger dauert, viel Korruption den Fortschritt hindert, dass die Müllentsorgung nicht so funktioniert, wie sie sollte. Wir lernen und verbessern unser albanisch (Serainas Mutter weist am Telefon daraufhin, dass sie Albanisch-Übersetzer an der Schule gut gebrauchen könnten, wäre das nicht etwas für uns?) und überlegen uns wie es wäre, hier bei Dona und Roberti unsere südeuropäische Basis einzurichten.

Ein (teilzeitiges) Leben in Albanien? Hier bei diesen lieben Menschen, die wir schon längst in unsere Herzen geschlossen haben? Bei den ach so niedlichen Katzen Miez und Maunz, die bei uns im Camper übernachten (die sind soooo süss!), die mir fehlen werden, sobald wir weg sind?
Albanisch lernen mit Seraina

Ja, das könnten wir uns vorstellen. Arbeit im Camp wäre genug vorhanden. Die wilde Natur lässt nichts zu wünschen übrig. Griechenland gleich um die Ecke. Ein simples Leben auf dem „Bauernhof“.

Wahrscheinlich gefällt uns Albanien so gut, weil es eine sonderbare Mischung aus so vielen Orten der Welt ist, die wir bereist haben. Oft erinnert uns das einfache Leben hier an Kolumbien, die Natur ist wild wie die, die ich aus Nordamerika oder Nepal kenne. Und gleichzeitig befinden wir uns in einem sich öffnenden Land bewohnt von neugierigen, stolzen Menschen, ein Land mit Zukunft, das auf der Schwelle von Europa, Arabien und Asien liegt.
Als wir nach einer Woche doch abreisen, wird der Abschied emotional. Wir versprechen Dona, dass wir wiederkommen. Und dass wir alle uns lieben Menschen zum Campen und zum Verweilen, zum River-Raften und Wandern, zum arbeiten und spielen bei ihnen vorbeischicken.
Also, hier findet ihr sie:
 
Albturist Eco-Camping Përmët & Outdoor Sports Center
+355699812458
699J+Q7 Lëshicë, Albanien
Bei weiteren Fragen, meldet euch gerne bei uns!

Was die Nullen betrifft

Eine Anekdote über den LEK

von Seraina

 

Wir stehen vor dem Käse- und Allerlei-Laden und klingeln. Die Verkäuferin und Bekannte von Roberti trippelt eilig die Treppe von ihrer Wohnung zum Laden hinunter. Sie öffnet uns die Tür und bittet uns höflichst herein. Bei ihr könne man guten Käse kaufen, so Roberti. Das Haus steht etwas abseits vom Stadtzentrum Permet. Als Laien spaziert man daran vorbei und entdeckt die Köstlichkeiten nicht, die sich hier verbergen.

„Weiss oder Gelb?“, so die Frage der Besitzerin. Wir sprechen kein Albanisch, doch wir verstehen. „Bardhe“ heisst Weiss. Und da man die Käse in Weiss, Schaf und Ziege, und Gelb, Kuh, unterteilt, ist es klar. Wobei weisser Käse, bei uns der Feta, meist vom Schaf stammt. Reiner Ziegenkäse ist selten und teuer, da der gleiche Anteil an Milch von der Ziege nur 1/4 Käse ergibt im Vergleich zum Schaf. Meist ist sogenannter Ziegenkäse also eine Mischung aus Schafs- und Ziegenmilch.
Wir nehmen von beiden. Der Kuhkäse kommt einem nicht lange gereiften Parmiggiano nahe.

Sie wiegt den Käse und kritzelt die Preise auf ein Papier. „Irgendetwas stimmt nicht“, schiesst es mir durch den Kopf. Doch ich bin noch nicht so vertraut mit dem Geld, muss noch immer alles im Kopf umrechnen. 120 Lek sind 1 Fr. Und hier steht über 4000 Lek geschrieben für zwei Stücklein Käse, max. 10 Fr. in der Schweiz. Auch Simon stockt, hebt unsicher das Portemonnaie, ungläubig über den Preis und das seelenruhige Verhalten unseres Freundes Roberti. Über 35 Franken für den Käse? Ich schaue Roberti prüfend an, bevor ich den Mund öffnen will, um das Missverständnis zu klären. Doch er kommt mir zuvor. Lässig zeigt er auf die 500 Lek Note. Ach so. Hatten wir es nicht gerade gestern von den 0-en?

Noch immer wird in der alten Währung gerechnet. Eine Null fiel weg in der Neuen. Was früher 1000 war ist heute 100. Doch die Leute sprechen von 1000, wenn sie 100 meinen. Sie schreiben 1000 auf, wenn es 100 kostet. „Die Leute hier rechnen noch in der alten Währung. Das ist normal.“, klärte uns schon Juliano, ein junger Restaurantbesitzer in Gjirokaster, lächelnd auf.

„Ich bin auch oft verwirrt. Oft muss ich nachfragen. Ist der Preis in der alten oder in der neuen Währung gemeint?“, lacht Dona, unsere Gastgeberin auf dem Camping.

Wir verlassen Albanien für den Moment und treten in eine andere Welt ein. Eine, die wir uns für diese Reise zum Ziel gesetzt haben und auf die wir uns sehr freuen. Fröhliche Menschen, dunkelblaues Meer, gutes Essen, Geschichten, Mythen und viele, viele Inseln. Ganz genau, Russland!
Tanken an einer Wasserquelle

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Natürlich fahren wir nicht zu den Russen weiter, sondern

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