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Zwei Wochen in Vietnam

Von Saigon fahren wir mehrere Stunden mit dem Bus gegen Osten, an den Strandort Mui Ne. Der Vorort Mui Ne’s ist der eigentliche Touristenort, eine lange Strasse entlang des Strandes, voller Resorts und Restaurants. Mui Ne selbst ist ein grösserer Ort mit einem Markt, Restaurants, Strassenständen und etwa zehn Resorts am Strand. Etwa fünf davon entwickeln sich langsam zu Geisterstätten. Der Beton ist voller Risse, die Treppen teilweise weggebrochen, die Anlage ungepflegt, der Strand voller Müll. Leider ist er fast überall vermüllt.

Mui Ne

Eine einzige Ausnahme ist ein Resort mit Angestelltem, welcher den ganzen Tag mit seiner Schubkarre die rund 30 Meter Strandbreite vor dem Resort abfährt und den Unrat einsammelt. Genau diese paar Meter sind dann sauber. Links und rechts davon türmt er sich jedoch wieder.

Jetzt stell dir vor, du machst zwei Wochen Urlaub, du willst dich erholen, dafür hast du dir dieses Resort gebucht. Auf den Fotos sah er super aus. Du freust dich auf Strandurlaub. Und angekommen kannst du nicht entspannt am Strand entlanggehen, ohne dass es dir schlecht wird. Du siehst den Sand vor lauter Plastik nicht mehr. Du kriegst jedes Mal den Drang, einen grossen Sack zu holen und Müll zu sammeln. Du siehst jedoch die Berge und beginnst zu rechnen, wie viele Mulden oder gar Lastwagen du organisieren müsstest, um das Problem zeitnah zu lösen.

Auch im nächsten Ort, Vung Tau, dem Ferienort vieler Saigoner, zeigt sich das gleiche Bild. Ebenfalls am Meer gelegen, ist es diesmal eine Grossstadt mit rund 400’000 Einwohnern. Im Touristenbereich werden sogar einzelne zu Boden gefallene Blätter mit dem Metallstab aufgespiesst und entsorgt. Nur einen Schritt weg vom Touristenstrand türmt sich der Müll. Für teure Attraktionen hat die Stadt viel Geld, doch für das Müllproblem wohl nicht.

Auch über die Tierhaltung ärgere ich mich. Hühner werden zusammengepfercht in Käfigen gehalten. Federn sind nur noch teilweise vorhanden. Fische liegen auf der Seite in einem 5 cm hohen Wasserbecken, lebend! Ich wünsche ihnen einen schnellen Tod. Wie Schweine und Kühe gehalten werden, möchte ich nicht wissen.

Doch der Dschungel ist schön. Die Natur ist grün und voller Blumen. Ich esse ein Stück saftige Mango und versüsse etwas meinen Ärger über diese unendlich vielen Probleme.

Und um euch auch wieder etwas vom Ärger zu befreien, erzähle ich noch, was wir sonst so in Vietnam erleben. Wir verbringen Zeit mit unserer Freundin Gina, die seit mehreren Monaten in Vietnam ist. Auch sie ärgert sich, doch zusammen verbringen wir schöne Tage, laufend ob durch die Stadt, das Dorf oder durch Bäche, meist in vegetarischen Restaurants essend, auf der Terrasse des 22. Stockes sitzend.

Mekong-Delta

Nach dem Abschied von ihr kommen wir in Can Tho an, einer Kleinstadt im Mekong-Delta. Dort ziehen wir in ein Bungalow. Lange haben wir gesucht und gehofft, und nun gefunden. Es liegt gut zwanzig Minuten Autofahrt von Can Tho entfernt. Die Gegend ist von Kanälen durchzogen, und auch dieses kleine Resort mit rund fünf Bungalows liegt direkt am Wasser. In der Anlage selbst hat es Teiche, und meine geliebten Riesen-Seerosen.

Hier können wir Natur geniessen und einfach sein. Hier leihen wir ein Velo, fahren die Wasserkanäle ab. Die Kinder in den Schuluniformen winken stets und rufen „Hello, hello“, als wäre das ein Pflichtfach in der Schule. Übersetzt wird heutzutage mit dem Handy, wir sowie sie. Wir fallen auf, grosse Augen werden gemacht. Die Gastgeber bieten eine kleine, aber feine Menükarte an. Für einen Tag mieten wir einen Roller und fahren planlos durch die Gegend.

Am Abend besuchen wir Can Tho, die Stadt, die am Hau-Fluss, einem der grossen Nebenarme des Mekongs, liegt. Wir gehen spazieren und bleiben oft auch einfach zu Hause in unserem Kabäuschen. Die Luft ist feuchtwarm, die Blumen duften, die Fische schwimmen im Teich.

Motorroller fahren

Einige Kreuzungen hier erinnern mich an die Wall of Death, übersetzt Mauer des Todes. So nennt man es an Metal-Konzerten, wenn sich zwei Menschengruppen mit ein paar Metern Abstand gegenüberstehen und auf ein gemeinsames Zeichen ungebremst aufeinander zu rennen.
An manchen Kreuzungen ist es insofern ähnlich, da beide Richtungen gleichzeitig Grün haben – auch jene, die abbiegen, und zwar quer durch die entgegenkommende Fahrbahn. Man erhält also Grün an der Ampel, fährt los und plötzlich kreuzen abbiegende Roller aus der Gegenrichtung den eigenen Weg.
Und trotz dieses scheinbaren Kamikaze-Fahrens bewegen sich alle so aufmerksam und irgendwie aufeinander abgestimmt, dass ich bisher keinen einzigen Unfall gesehen habe!

Bier trinken

Zurzeit gibt es hier viele Feste, obwohl das vietnamesische Neujahrsfest erst am 17. Februar stattfindet. Und bei jedem Fest liegen überall auf dem Boden Bierdosen herum, unzerdrückt. Bei gesitteten Hochzeiten, bei Gartenpartys. Der Boden ist voll, als würde man heimlich noch ein paar weitere leere Bierdosen auf den Boden kippen, damit das Gelage auch richtig gut aussieht. Es erinnert an einen Kinderspielplatz mit diesen farbigen Plastikbällen, nur sind es hier silberne Alu-Zylinderchen. Und irgendwie sieht es auch toll aus. Gesehen habe ich so etwas jedenfalls noch nie zuvor.

Schlaf-Bus

Anstatt in gewöhnlichen Sitz- reist man hier oft in Schlafbussen. Die einen liegen bequem, für die anderen wird jede Fahrt zur stundenlangen Tortur.

Karaoke

Der Hit ist es, mit Mikrofon bewaffnet und aufgedrehten Boxen, am Ladentisch zu sitzen und den Songtext vom Smartphone ablesend, ins Mikrofon zu singen. Oft auch ohne Musik. Pavarotti würde den Kopf im Grab noch etwas tiefer in die Erde stecken.

Kaffee trinken

Dass Vietnam heute zu den grössten Kaffeeproduzenten der Welt gehört, begann mit den Franzosen. Im 19. Jahrhundert brachten diese während der Kolonialzeit Kaffeepflanzen nach Vietnam. Das Klima war ideal, die Böden gut, das Ziel war der Export. So entstanden Plantagen, vor allem im zentralen Hochland.

Nach dem Abzug der Franzosen entwickelten die Vietnamesen den Kaffee weiter und machten ihn zu ihrem eigenen Ding. Robusta überwiegt und enthält deutlich mehr Koffein. Der Kaffee wird gerne mit Kondensmilch und viel Eis gemischt, aber auch schwarz und warm erhält man ihn.

Etwas ganz Besonderes ist der „Cà phê muối“. Der Eiskaffee mit Creme, der leicht gesalzen wird. Dadurch entsteht eine Karamellnote, ein Effekt, der auch aus anderen Speisen und Getränken bekannt ist.

Auch die Frosch-Ess-Kultur ist hier übrigens gross, doch dies hat nichts mit den Franzosen zu tun. 🙂

Vietnamesischer Kaffeefilter

In Vietnam haperte es etwas mit dem Ankommen. Ein Grund dafür ist sicher die Sprache, selten spricht ein Vietnamese auch nur wenig Englisch. Zudem fühlten wir uns oft fremd. Es wirkte, als sei die Mehrheit nicht an Touristen gewöhnt, vielleicht ist es aber auch nur ihre zurückhaltende, höfliche Art, die distanziert? Irgendetwas ist es auf jeden Fall, das uns gefehlt hat, etwas, was wir nun in Kambodscha gefunden haben.

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de_DEDeutsch